Sarah Lagger gewinnt Silber, Leon Okafor wird 6 bei der U20 WM in Tampere 2018 (Finnland)

sarah-huerden2018Die zweite internationale Medaille binnen fünf Tagen gab es am Freitag darauf bei der U20-WM (mit 1400 Athleten aus 140 Nationen) im finnischen Tampere für SARAH LAGGER im Siebenkampf mit neuem österreichischen U20-Rekord (und Olympialimit) von 6.225 Punkten. Bei Sarah ist das Attribut “sensationell”, das auch die Teamleaderin Lisi Eberl öfter bei den ersten Ehrungen aussprach, eigentlich weniger zutreffend als bei Johanna. Sarah war mit 6.156 P. Zweite der Meldeliste, war Titelverteidigerin, war schon beim fünften Großereignis. An ihre Konstanz und Wettkampfstärke unter höchster Anspannung war man irgendwie nach den Medaillen in Cali 2015, Tiflis 2016, Bydgoszcz 2016 und Grosseto 2017 schon “gewöhnt”. Dennoch war es wieder ein großartiges und nach den Steigerungen der 6000.-Konkurrenz aus der Ukraine, aus GB, aus Australien und aus Kuba gar nicht selbstverständliches Meisterstück, das Sarah mit ihrer schon fünften Medaille nun ablieferte

Die Hürden waren gewohnt solide und eher vorsichtig gestartet – mit 14,21 sek. Der Hochsprung brachte zwar noch nicht den erhofften 1,80er, aber 1,77 m beim Großereignis! Hier ist Sarah – erwiesen durch die Results in Cali (1,76), Tiflis (1,76), Bydgoszcz (1,77), Grosseto (1,78) – einfach unglaublich stabil und verläßlich!
Nach der längeren Mittagspause im Hotel ging es Richtung Kugelstoß, beim Einstoßen draußen im Wurf-Wormup, wohin sich nur Sarah und ich wagten, ging es schon recht vielversprechend weit, gleich der erste Standstoß 12,75 m und zwei, drei Probestöße mit Sarahs sehr spezieller Vorbeschleunigung auf etwa 13,30 bis 13,40 m. Am Weg nach drinnen ins Hauptstadion folgte ein kurzer Wolkenbruch und danach recht magere Probeweiten von wirklich allen Starterinnen der an sich stärkeren Kugel-Gruppe. Voererst ging aus dem nassen Ring kaum ein Stoß über die 12-m-Marke, auch nicht bei der 14,70-Athletin aus Litauen. Sarah begann auch unter 12 m. Dann folgte der Bewerbbeginn, der Ring war trockengelegt, Sarah schon als Zweite dran und während ihre Mutter Monika und ihre Geschwister Simon und Kristina erstmals ins Stadion kamen und in unsere Zuschauerreihe kletterten kam dieser völlig unerwartete SUPERSTOß auf 14,38 m (Championship-Rekord, das heißt in den 19 bisherigen Junioren-WM-Siebenkämpfen gab es noch nie so eine große Weite…..!!). Ihre eigene BL überbot Sarah damit um mehr als einen halben Meter. Im Gesamtklassement sprang sie damit vor auf Rang zwei.
Über 200 m erzielte Sarah mit 24,85 sek eine ihrer besten Zeiten der letzten Jahre, sie blieb aber (wie fast alle Konkurrentinnen), doch deutlich über ihrer Bestzeit, irgendwie war es schwer zu laufen an diesem sonnigen aber nach den Regengüssen nicht allzu warmen Abend in Tampere.

Nach dem ersten Tag lag Sarah näher an der Führenden als zwei Jahre zuvor in Bydgoszcz bei ihrem Titelgewinn (damals 3510 zu 3691 – Rodriguez – als Zweite) mit diesmal schon mit 3609 Punkten als Dritter hinter Emerson (3690) und Rodriguez (3634) vor Mucci (Australien) im großen Feld der 26 Siebenkämpferinnen. Alina Shuk hatte sich nach ihrem Speerwurfsieg und relativ gebremst wirkenden 14,68 sek über 100 m Hürden schon nach dem ersten Bewerb abgemeldet….
Am zweiten Tag beim Weitsprung brachte Sarah die gültige Serie von 5,90 (ohne Balken), 5,99 und 6,15 m in die Wertung. Kurze Zeit sah das perspektivisch sehr gut aus, denn Emerson stand nach zwei Versuchen erst bei 5,96 m. Doch dann packte die Britin 6,31 m in ihrem späten dritten Versuch aus! Auch Rodriguez spang diese Weite, übrigens genau die Bestweite von Sarah seit ihrem Weit-Staatsmeistertitel von Kapfenberg mit nicht mal 16 Jahren damals.
Beim folgenden Speerwurf hatte es Sarah nochmal in ihrer Hand, dem Siebenkampf die entscheidende Wende zu geben. Sie begann gleich hervorragend mit 45,71 m, steigerte sich dann mit einem seitlich etwas verzogenen Wurf auf 45,76 m und wußte vor dem letzten Wurf, dass die Führung ab 46 m für sie offen stehen würde. Sie legte alles hinein, der Speer stieg sehr gut hoch, war lange in der Luft, fiel aber im letzten Drittel (weil die Flugparabel etwas zu hoch ausgefallen war) doch steiler als erhofft herunter auf 45,13 m.
Tolle Serie, aber die Punkte werden nach den geltenden Regeln ausschließlich für den besten Wurf gutgeschrieben. So ergab sich vor dem 800 m Lauf und einer 7-Stunden-Pause im Hotel folgender Zwischenstand: Emerson (Speer nur 39,02 m) führte um ganze ZWEI PUNKTE vor Sarah (5.285 zu 5.283), dahinter Mucci 5.163 und Rodriguez (5.147). Die Silber-Medaille war schon sehr, sehr sicher (Mucci und Rodriguez haben nur 2:29 bzw 2:23 über 800 m stehen). Doch die Goldene war umkämpft wie selten zuvor in der Siebenkampf-Geschichte. Zwei Punkte, knapp ein Meter über 800 m. Von Emerson wußten wir um die starke 2:10-Bestleistung und ihren Tempolauf von Tiflis. Andererseits hatte sie heuer nur 2:12 stehen von den Commonwealth-Games. Sarah 2:11,70 von Götzis. Für Hochspannung war gesorgt. Sieben Stunden Wartezeit vergingen, bei bestem Sommerwetter.
Durch die hohe Teilnehmerzahl gab es drei Läufe über 800 m. Andrea Obetzhofer lief mutig in Lauf zwei, konnte aber an die Lustenau-Zeit leider nicht anknüpfen. Als die US-Amerikanerin Anna Hall die Zielgerade in Lauf zwei hinaufstürmte begann es plötzlich mit Riesentropfen zu regnen. Das Wasser kam so heftig, dass es mehr als 20 cm wieder hoch sprang von der Laufbahn! Dennoch wurde Lauf drei pünktlich gestartet, mitten in einen Wolkenbruch hinein. Und noch mehr erstaunen ließen dann die Zeiten und Bestzeiten, die bei diesen Weltuntergangsbedingungen zustande kamen! Die Polin Sulek, die um die Bronzemedaille kämpfte, übernahm (mit Sarah abgesprochen) sofort die Führung (400 m 62,90!). Auch Sarah lief stark los. Aber Emerson zeigte auch sofort ihr Selbstvertrauen in dieser Disziplin und ging nach 31 bzw 63,8 Sekunden durch. Sarah zog das Tempo mit ein paar Metern Distanz mit und kam bei 300 m in 47,8 und bei 400 m in etwa 64,5 sek durch. Zu Beginn der Gegengeraden überholte Emerson die Polin. Doch Sarah ging wenige Sekunden später auch an Sulek vorbei – der Platzsprecher registrierte das lautstark und ganz aufgeregt. 200 m vor dem Ziel war der Abstand kurz auf 3 m zusammengeschmolzen und die Hoffnung keimte stärker wieder auf. Doch Niamh Emerson lief auch die letzten 200 m grandios und 100 m vor dem Ziel betrug der Abstand bereits wieder 8 m und änderte sich leider kaum mehr bis zum Ziel, weil die Britin sensationelle 2:09,75 auf die wassergeflutete Bahn zauberte und Sarah zu einer BL von 2:11,57 mitzog!
6.225 Punkte lautet Sarahs neuer österreichischer U20-Rekord. Bereits ihre fünfte Verbesserung des Dadic-Rekords aus dem Jahr 2012!
Herzlichen GLÜCKWUNSCH, liebe Sarah, zur unglaublichen fünften internationalen Medaille binnen 36 Monaten!

Leon OKAFOR wurde Sechster im U20-WM-Zehnkampf (7.454 Punkte)
Bei Leon war faszinierend, wie er die Widrigkeiten mit seiner Fußbeinverwachsung und dem Handbruch zur Unzeit dann in den entscheidenden Wochen ausblendete und sowohl in Oyonnax als auch in Tampere einen gelungenen Zehnkampf (speziell am zweiten Tag) hinlegte. Seine Serie bei der WM (nur ein Punkt fehlte letzlich auf Rang 5:
11,41 – 6,62 – 14,03 – 1,92 – 50,27 / 14,98 – 44,63 – 4,50 – 56,44 – 4:46,50. Ähnlich wie in Tiflis bei der Bronzemedaille zeigte er Wettkampfstärke und technisches Geschick trotz seiner erst 2 1/2 Trainingsjahre in unserer Sportart!! Schön war, dass auch die ganze Familie Okafor mitgereist war und Leon kräftig anfeuerte!