U20 EM in Grosetto (ITA): Sarah Lagger gewinnt Bronze – Leon Okafor gewinnt Erfahrung

Medaillensammlung vergrößert

Lagger gewann ihr viertes Edelmetall – Okafor lieferte heroischen Kampf

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Bei der U20 Europameisterschaft in Grosetto (ITA) vom 20. bis 23. Juli 2017 waren, mit Sarah Lagger (Siebenkampf) und Leon Okafor (Zehnkampf), zwei TGW Zehnkampf Union Athleten im Mehrkampf vertreten. Den Anfang machte die Damen Konkurrenz, wo die 17-jährige Oberkärntnerin mit 6012 Punkten (erzielt in Götzis) als Drittplatzierte der U20 Weltrangliste angereist war. Nur Alina Shuk (UKR, 7 Monate älter als Lagger) und Géraldine Ruckstuhl (SUI, 19 Monate älter) hatten schon Ergebnisse über 6200 Punkte vorgelegt. Bei Laggers bisher größtem Erfolg, dem U20-WM Titel waren die beiden Favoritinnen nicht am Start. Die Vorzeichen für einen spannenden Wettkampf und die Chance auf österreichisches Edelmetall waren also gegeben.

Durchwachsener erster Siebenkampf-Tag

Während die 100 Meter Hürdenzeit (14,31 sek) nicht ganz zufriedenstellend war, sprang Lagger im darauffolgenden Hochsprung (1,78 m) so stark wie noch nie bei einem Großereignis. Zusätzlich erbrachte die 17-Jährige beim Kugelstoßen (13,26 m) eine neue persönliche Bestleistung. Die folgenden 200 Meter absolvierte sie in 25,08 Sekunden. Bei den Laufdisziplinen zeigte sich, in Bezug auf die Reaktionszeit, dass die TGW Zehnkampf Union Athletin noch Luft nach oben hat.  In Götzis gelangte Lagger zwar bereits bei einer  Reaktionszeit von 0,17 Sekunden an. In Grosseto verschenkte sie mit 0,309 (Hürden) beziehungsweise 0,299 Sekunden (200 m) bereits in der Startmaschine einiges. Laggers Konkurrenten Shuk und Ruckstuhl punkteten am ersten Tag, mit einigen Bestleistungen sehr stark und so richtete sich der Fokus der Österreicherin auf die Chance die Bronzemedaille zu gewinnen.

Zweikampf um Bronze mit Britin

Die Kärntnerin startete mit 6,21 Meter im Weitsprung sehr stark in den zweiten Wettkampftag. Bei der britischen Konkurrentin Emerson wurde, nach bereits zwei übertretenen Versuchen, zu Beginn auch der dritte Sprunge ungültig gegeben, weil sie unerlaubter Weise in der Sandgrube zurückgestiegen ist. Jedoch tauchte sie nach einem Protest der Briten mit 6,09 Metern wieder in der Ergebnisliste auf und lag damit vor Lagger im Gesamtklassement. Erst im vorletzten Bewerb des Siebenkampfes dem Speerwurf setzte sich die Österreicherin an den dritten Platz. Mit einem ungewohnten Speer, weil ihrer nicht auf der Anlage ankam warf die Kärntnerin 44,02 Meter. Für Emerson kam mit 38 Meter eine neue persönliche Bestwertung in die Wertung und somit Betrug der „Bronze-Polster“ sechs Sekunden im abschließendem 800 Meter Lauf. Lagger spielte ihre nun schon große internationale Erfahrung bestens aus und lief starke 2:13,70 (ihre zweitbeste Zeit) und ließ ihrer britischen Widersacherin nur eine Sekunde Vorsprung.

Erfolgsstory geht weiter

Nach U18-WM Silber in Cali (COL), U18-EM Silber in Tiflis (GEO) und U20-WM Gold in Bydgoszcz (POL) holte die 17-jährige jetzt mit Bronze in Grosseto ihre bereits vierte Medaille bei einem Großereignis. Zusätzlich hat Lagger als erste Siebenkämpferin der Welt schon als 17-Jährige zwei 6000er-Resultate in der allgemeinen Klasse verwirklicht. Den österreichischen U20 Rekord von Ivona Dadic verbesserte die Kärntnerin bereits zum dritten Mal (5960 – 6012 – 6083) weiter und sie ist auch nächstes Jahr der U20 angehörig.

Hitzeschlacht beim Zehnkampf

Beim Zehnkampf der Herren startete Leon Okafor bei sehr hohen Temperaturen mit einem Laufsieg über die 100 Meter. Aufgrund des Gegenwindes sind die 11,21 Sekunden hoch einzuschätzen. Beim darauffolgenden Weitsprung wirkte genau jener Gegenwind als Turbo und so segelte Okafor auf seinen nominelle Bestweite von 7,16 Metern (+3,0 m/sek). Solide 13,18 Meter zeigte der Österreicher beim Kugelstoßen. Hier schlummern jedoch noch nicht gehobene Reserven.

Hochsprung als Schlüsselbewerb

Der folgende Hochsprungbewerb wurde für den 17-jährigen Oberösterreicher zum Marathonbewerb. Der TGW Zehnkampf Union Athlet sprang trotz einer Bestleistung von 1,96 Meter (Halle) in der schlechteren Gruppe und so war er inklusive der Probesprünge fast zweieinhalb Stunden in der brütenden Hitze im Einsatz. Aufgrund einer leichten Fußblessur seit Teneriffa startete der Österreicher bereits bei 1,78 Meter.  Schließlich übersprang Okafor die 1,93 Meter noch und bei 1,96 Meter kamen drei Fehlversuche dazu. In der besseren Gruppe hätte er die 1,96 Meter, aufgrund der kürzeren Zeit zwischen den eigenen Sprüngen, bereits nach einer halben Stunde erreicht und somit viel Substanz sparen können. Über die 400 Meter lief Okafor in 49,92 Sekunden eine objektiv gute Zeit. Leider spürte der Athlet schon 20 Meter nach dem Start Wadenkrämpfe, die mit dem überlangen Hochsprung in Verbindung standen. Dennoch stand nach dem ersten Wettkampftag ein elfter Platz mit beachtlichen 3902 Punkten zu Buche.

Muskuläre Probleme nicht mehr zu verbergen

Am zweiten Wettkampftag kam der Österreicher falsch zur ersten Hürde und fand anschließend nicht mehr in den 3er Rhythmus. Der 17-Jährige verlor so mehr als drei Sekunden und hundert Punkte. Okafor legte dafür einen sehr erfreulichen Diskuswurf (40,21 m) hin. Der Stabhochsprung stand dann unter der Prämisse mit möglichst wenigen Sprüngen auszukommen und so startete der Oberösterreicher mit einer mutigen Anfangshöhe von 4,40 Meter, die er an diesem Tag leider nicht überwinden konnte. In der Folge beeindruckte der Österreicher noch als fünftbester des gesamten Feldes im Speerwurf (58,61 m). Im abschließendem 1500 Meter Lauf spulte Okafor kontrollierte 5:20,37 ab und erreichte trotz eineinhalb „Streichresultaten“ noch beachtliche 6244 Punkte und einen 21. Rang. Außerdem wurde der Österreicher siebtbester von jenen, die nächstes Jahr bei der U20 WM noch startberechtigt sind.